Yoko Ono

geboren 1933 in Tokio; lebt in New York

Biografie

Yoko Ono ist eine Künstlerin, deren zum Nachdenken anregendes Werk das Verständnis der Menschen von Kunst und Lebenswelt herausfordert. Von Anfang an arbeitete sie konzeptuell, und ihr Werk umfasste Performance, Instructions, Film, Musik und Schreiben.

Ono wurde 1933 in Tokyo geboren und übersiedelte 1953 von dort, wo sie Philosophie studiert hatte, nach New York. Gegen Ende der 1950er Jahre war sie Teil der pulsierenden Aktivitäten der New Yorker Avantgarde-Szene. 1960 eröffnete sie ihr Chambers Street Loft, wo sie zusammen mit La Monte Young eine Reihe radikaler Performances präsentierte, und sie stellte Umsetzungen einiger ihrer frühen konzeptuellen Werke aus. 1961 präsentierte sie in George Maciunas’ legendärer AG Gallery in New York ihre Instruction Paintings als Einzelausstellung; später im Jahr gab sie ein Solo-Konzert in der Carnegie Recital Hall mit revolutionären Arbeiten, bei denen Bewegung, Sound und ihre Stimme zum Einsatz kamen. 1962 kehrte sie nach Tokyo zurück, wo im Sogetsu Art Center sie ihre New Yorker Performance weiterentwickelte und ihre Instructions for Paintings ausstellte. 1964 performte sie in Kyoto und Tokyo Cut Piece und veröffentlichte Grapefruit, einen Sammelband mit ihren konzeptuellen Instruction Pieces. Ende des Jahres kehrte sie nach New York zurück. 1965 performte sie während ihres Konzerts in der Carnegie Recital Hall Cut Piece, außerdem Bag Piece als Soloauftritt beim Perpetual Fluxus Festival und im September Sky Piece to Jesus Christ während des Fluxorchestra-Konzerts in der Carnegie Recital Hall. Im Jahr 1966 entstand die erste Version ihres Film No. 4 (Bottoms), und sie realisierte eine Gruppeninstallation, The Stone, in der Judson Gallery. Im Herbst 1966 wurde sie zur Teilnahme am Destruction in Art Symposium in London eigeladen. Gegen Ende des Jahres hatte sie Einzelausstellungen in der Indica Gallery, im folgenden Jahr in der Lisson Gallery. Während dieser Zeit gab sie an verschiedenen Orten in England auch eine Reihe von Konzerten. Zusammen mit John Lennon realisierte sie 1969 Bed-In und die weltweite WAR IS OVER! (IF YOU WANT IT)-Kampagne für den Frieden. 2007 schuf Yoko Ono als permanente Installation auf der Insel Videy, Iceland, den IMAGINE PEACE TOWER, gewidmet der Erinnerung an ihren verstorbenen Ehemann John Lennon. Mit ihrer IMAGINE PEACE-Kampagne arbeitet sie weiterhin unermüdlich für den Frieden.

Heute ist Ono allgemein anerkannt für ihre innovativen Filme und ihre radikale Musik, ihre Plattenaufnahmen, Konzerte und Performances. Ihre Filme Fly, RAPE oder Film No. 4 – um nur einige zu nennen – gelten als Klassiker des 20. Jahrhunderts, und ihre Musik hat endlich Anerkennung als Keimzelle neuer musikalischer Formen gefunden, die sich in der ganzen Welt verbreiteten.

Ono hat ihre Arbeiten überall auf der Welt gezeigt, auf großen Wanderausstellungen, Biennalen und Triennalen. 2009 erhielt sie auf der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk. Zu ihren umfangreichsten Wanderausstellungen gehörten YES YOKO ONO (2000–2001), organisiert von der Japan Society in New York, die durch die Vereinigten Staaten, Japan, Kanada und Korea tourte; YOKO ONO: HALF-A-WIND SHOW – A RETROSPECTIVE (2013–2014) die von der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zum Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark, in die Kunsthalle Krems in Österreich und anschließend zum Guggenheim Bilbao reiste. Im Mai 2015 öffnete im Museum of Modern Art, New York, YOKO ONO: ONE WOMAN SHOW, 1960–1971, gefolgt von Einzelausstellungen im Museum of Contemporary Art, Tokyo (MOT), und in der Faurschou Foundation Beijing einige Monate später. Ihre erste französische Retrospektive, YOKO ONO: Lumière de L’aub, wurde 2016 im MAC Lyon präsentiert; Ono’s permanente Installation SKYLANDING wurde dann im Jackson Park von Chicago enthüllt, gefolgt von einer Einzelausstellung im Macedonian Museum of Contemporary Art in Thessaloniki, Griechenland. 2017 standen Onos Arbeiten im Mittelpunkt von Ausstellungen wie YOKO ONO: Four Works for Washington and the World im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Prospect.4 in New Orleans, sowie in der Tate Modern, im C3A Centro de Creación Contemporánea in Cordoba (permanent) und in ihrer Einzelausstellung YOKO ONO: TRANSMISSION in der Kunsthal Charlottenborg in Kopenhagen. Eine neue Version ihrer Arbeit ONOCHORD wurde 2018 im Henningsvaer Lighthouse auf den Lofoten, Norwegen, präsentiert. 2018/19 gab es Ausstellungen und Events wie Double Fantasy – John & Yoko im Museum of Liverpool, YOKO ONO: LOOKING FOR ... in Cambridge, England, YOKO ONO: PEACE is POWER im MdbK, Leipzig, Yoko Ono: Poetry, Painting, Music, Objects, Events and Wish Trees in der Poetry Foundation in Chicago, YOKO ONO: LIBERTÉ CONQUÉRANTE in der Fondation Phi pour l’art contemporain in Montreal, BELLS FOR PEACE (Eröffnungsfeier) beim Manchester International Festival, YOKO ONO: REMEMBERING THE FUTURE im Everson Museum of Art in Syracuse, Yoko Ono: The Sky Is Always Clear im Moskauer Museum für Moderne Kunst and YOKO ONO: ADD COLOR (REFUGEE BOAT) Unter Dem U in Dortmund. 2019, wurden ihre Arbeiten außerdem im Museum of Modern Art, New York, im MAXXI in Rom und in der Faurschou Foundation in New York gezeigt. Vor kurzem, am 30. Mai 2020, wurde Onos Einzelausstellung YOKO ONO: THE LEARNING GARDEN OF FREEDOM im Serralves Museum of Contemporary Art in Porto, Portugal eröffnet.

Bildende Kunst

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Musik

Musik

Als Tochter eines Bankers und ausgebildeten Konzertpianisten erhält Ono klassischen Klavier- und Gesangsunterricht. 1955 entwickelt sie ihre ersten Konzepte und Aufführungen zwischen Musik und Performance. In den späten 1950er-Jahren freundet sie sich in New York mit Avantgardemusikern und Komponisten wie Stefan Wolpe, John Cage oder David Tudor an. 1960/61 finden in ihrem New Yorker Loft an der Chambers Street Avantgardekonzerte statt, die von ihr und La Monte Young organisiert werden.

In den 1960er-Jahren folgen einige Auftritte und Aufführungen im Rahmen von Fluxus-Konzerten. Zu jener Zeit, in den frühen 1960er-Jahren, werden Instructions oder Scores entweder von Ono selbst oder anderen aufgeführt. 1968 singt sie mit Ornette Colemans Avantgarde-Jazzquartett in der Royal Albert Hall in London.

Nachdem sie John Lennon 1966 bei ihrer Ausstellung in der Indica Gallery in London kennengelernt hat, kommt sie in Kontakt mit der Rockmusik. Ihr erstes gemeinsames Album ist Unfinished Music No. 1: Two Virgins von 1968. Es folgen zahlreiche Aufnahmen und Veröffentlichungen als Künstlerpaar.

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1969 gründen Ono und Lennon die Plastic Ono Band mit Klaus Voorman, Alan White und Ringo Starr. Viele Singles und Langspielplatten folgen, etwa 1969 Live Peace in Toronto, bei dem Eric Clapton mitwirkt. Charakteristisch für Ono ist die Befreiung ihres stimmlichen Spektrums in neue Dimensionen.

Ihre Solo-Alben der frühen 1970er Jahren, etwa Approximately Infinite Universe und Feeling The Space, beziehen populäre Liedformen ein, mit einer Betonung auf Texten mit deutlich politischen und feministischen Themen.

Nach dem Tod Lennons 1980 durchläuft das pop-musikalische Werk Yoko Onos verschiedene Phasen, Synthesizer und technische Neuerungen kommen vermehrt zum Einsatz. 1981 ist Walking On Thin Ice in den USA und Großbritannien eine Radio-Hit-Single. 1995 nimmt sie mit ihrem Sohn Sean Ono Lennon das Album Rising auf. Ab 2001 veröffentlicht sie zahlreiche Tanz-Remixes ihrer alten, aber auch neuer Songs, und 2017 toppt sie die Billboard Dance Club-Charts mit 13 Nr. 1-Hits.

2009 nimmt Ono mit ihrem Sohn Sean als Koproduzent My head And The Sky auf. Das Album erhält in der Musikpresse zahlreiche 4- und 5-Sterne-Beurteilungen. Nach Jahrzehnten der Missverständnisse und Herablassung haben die Kritiker endlich Anschluss an ihren radikalen Stil/ihre Stile gefunden.

Sie hatte bis weit in ihr 80. Lebensjahrzehnt überall auf der Welt Konzertauftritte und arbeitete u.a. mit Sonic Youth, The Flaming Lips, Antony/Anohni, Rufus Wainwright, Vincent Gallo, RZA, Peaches oder Lady Gaga zusammen.

Ihr letztes Album, Warzone, wurde 2018, als sie 85 Jahre alt war, aufgenommen. Dafür wählte sie eigene Songs aus den 1970er und 1980er Jahren aus, deren Texte sich eindringlich mit bis heute aktuellen Themen beschäftigen. Ihre Lieder und Texte sind auch nach 40 oder 50 Jahren noch relevant.

Autor*in: David Newgarden

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In der Ausstellung

In der Ausstellung

Yoko Ono, Voice Piece for Soprano / Gesangsstück für Sopran, 1961

MoMA, New York, Sommer 2010, mit Yoko Ono, 2:25 min

Die Instruction für Voice Piece for Soprano (1961) lautet:

»Scream.  1. against the wind  2. against the wall  3. against the sky.«



Jede*r kann dieses Stück selbst interpretieren und aufführen. Ono selbst hat das Konzept bereits an verschiedenen Orten umgesetzt, zuletzt auch als partizipative Installation mit einem offenen Mikrofon im Atrium des Museum of Modern Art in New York.

Autor*in:

David Newgarden